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Und im Bad gärte leise der Obstwein

Die Historikerin und Journalistin Dr. Angela Stender berichtet über ihre Kindheitserinnerungen in Ellershausen

Heute würde man es einen „All inclusive-Urlaub auf dem Bauernhof“ nennen. Für Angela Stender aber waren es in ihrer Kindheit, vor Angela betuchtetwa 50 Jahren, ganz einfach die herrlichsten Sommerferien der Welt bei ihren Großeltern in Ellershausen. Die promovierte Historikerin, die heute für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der evangelischen Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg bei Gießen verantwortlich ist, erinnert sich lebhaft und detailliert an jene Zeiten, als die meisten Leute noch kein Fernsehen und kein Telefon hatten. Die Abenteuer des Alltags bestanden für Kinder im Umgang mit Kühen und Pferden oder in Streifzügen durch Wald und Flur. „Ich habe mich da immer wohlgefühlt“, sagt Angela Stender.
Am Freitag, dem 18. März, wird sie um 19:00 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus von Ellershausen ihre Erinnerungen ausbreiten und eine Zeitreise in die jüngere Geschichte des Dorfes unternehmen.

Ihr Vortrag reiht sich ein in eine Serie von Veranstaltungen, mit denen Ellershausen in diesem Jahr den 1000. Jahrestag seiner urkundlichen Ersterwähnung begeht. Dabei steht naturgemäß die Vergangenheit des Ortes im Blickpunkt, so zuletzt das Alltagsleben der Bauern im hohen Mittelalter, über das der Historiker Prof. Werner Rösener referierte. Diesmal geht es um die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die gerade auf dem Land noch stark von den hergebrachten Traditionen geprägt waren.

Im Dorf war die Autorität von Pfarrer, Lehrer, Bürgermeister und Landrat noch unangefochten, wie Angela Stender sich erinnert, in der Kirche saß man noch nach Geschlechtern getrennt. „Mein Opa ist mit Zylinder und Frack zum Abendmahl gegangen“, sagt die Historikerin, die 1959 in Battenberg geboren und dort auch aufgewachsen ist. Ihr Vater Adam Kahler stammte aus Ellershausen und fuhr dort mit seiner Familie auch regelmäßig hin. Nach dem Abitur absolvierte Angela Stender zunächst eine journalistische Ausbildung und arbeitete bei der HNA in Kassel und Korbach, ehe sie in Gießen den Studiengang Fachjournalismus Geschichte abschloss.

Angela Ellershausen1Bildhaft steht ihr noch vor Augen, wie sie mit dem Großvater Ludwig Kahler im Fuhrwerk aufs Feld fuhr und dabei auf dem Pferd sitzen durfte. Der Großmutter Marie und der Patentante Margret half sie bei der Verarbeitung der Feld- und Gartenfrüchte, die man auf verschiedene Weise konservierte. Im Badezimmer stand in großen bauchigen Flaschen der Obstwein, „und der gärte im Sommer so leise vor sich hin, bis er gut war und dann in der Wohnküche an die Nachbarn und Verwandten ausgeschenkt wurde“.

Es wird sicher nicht nur für die Einwohner Ellershausens ein besonderes Erlebnis sein, die dörfliche Vergangenheit einmal aus der Sicht eines kleinen Mädchens wieder aufleben zu lassen.

Eintritt frei

Für das leibliche Wohl ist gesorgt

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